StarmaniAAAAAHHH!!?

14.03.2021

Es ist Freitagabend. Wir sind ans Sofa gefesselt. Die Jogginghose spannt über das Lockdownbäuchlein. Endlich können wir den Computerbildschirm abdrehen und uns dem Fernsehbildschirm widmen. Endlich können wir entspannen; das Leben ist gut. Oder so. Die Alternativtheorie: Der Lockdown lässt uns milde werden. Der einst kritische Geist resigniert und redet sich akzeptabel, was schon 2009 luftlos seine letzten Töne ausstieß. Anders lässt es sich einfach wirklich nicht erklären, das große Starmania-Comeback 2021.

Der ORF hat die einzig logische Konsequenz aus der Pandemie gezogen und die Kult-Castingshow aus der Versenkung geholt: Seit 26. Februar gehört die freitagabendliche Primetime wieder Karaokesänger*innen aus ganz Österreich. Und einer schillernden, hypermotivierten Arabella Kiesbauer. Der kann moderationstechnisch wohl nur Brieflosshow-Urgestein Peter Rapp das Wasser reichen.

Aber bitte: Showtime! Beim Bühnenkaraoke wird sich die Seele aus dem Leib gesungen. In unangenehm anmutenden Gesprächen mit den Kandidat*innen beteuert Arabella Kiesbauer, alle am liebsten abbusseln zu wollen - wäre da nicht dieses vermaledeite Virus. Also lobt sie auch den billigsten Lukas Plöchl - Abklatsch in den Himmel. Die Off-Moderation spricht Andi Knoll - dachten zumindest alle, bis sich der nahezu ident klingende Phillip Hansa hinter dem Mikrofon offenbarte. Puh.

Starmania ist eine rostige Achterbahn der Gefühle, der es im Jahr 2021 gehörig an Originalität fehlt. Als hätte man Disneyland auf Wish bestellt und den Adelwanger Kirtag bekommen.

Im Gegenteil zum staubigen Sendungskonzept, können sich die Einschaltquoten zumindest sehen lassen: Starmania profitiert von der Coronakrise so wuchtig, wie sonst nur Amazon-Gründer Jeff Bezos. Auch hier aus ähnlichem Grund: Was, bitte, was bleibt uns anderes übrig? Die Clubs haben geschlossen. Netflix ist durchgeschaut. Niemand hat mehr Bock auf Videochatten. Also lassen wir der Nostalgie freien Lauf. Also darf Starmania als Rechtfertigung für das abendliche Achterl herhalten. Also geben wir uns das, was zwar weder wirklich gut noch spannend ist, aber dafür konstant. Und erkennen dank Revival, dass früher auch nicht alles super war.