Kinnschild-Leidartikel

21.10.2020

Auch wenn die neuen Corona-Regelungen in vielerlei Hinsicht problematisch sind, haben sie doch etwas Gutes an sich. Ab 7. November verschwindet endlich das Kinnschild aus dem öffentlichen Raum. Dieses niederträchtige Stück Plastik, das zum Sinnbild für die ganze österreichische Corona-Politik geworden ist. Ein Pflaster auf einer Fleischwunde. Ein Alibi, damit man sagen kann, dass man es probiert hat, der gute Wille war ja da.

Diese Kinnschild- Politik rächt sich jetzt. Die zweite Welle kommt nicht, sondern ist schon da und die Chance auf weitere Lockerungen wurde verspielt. Das liegt an den Kinnschild-Leuten. Die Menschen, die sinnvolle Regelungen aufgehoben und dafür sinnlose Verordnungen eingeführt haben. Denen, die sich einen feuchten Dreck um die Geringverdiener*innen scheren, die es durch Corona noch schwerer haben. Die, die ihr letztes Hemd dafür geben würden, damit die Österreicher*innen auch dieses Jahr in den Skiurlaub fahren können. Das gehört schließlich zur Kultur!

Jetzt haben alle Kinnschild-Idioten zwei Wochen Zeit sich eine gescheite Maske zu besorgen. Schön, nur leider ist Kinnschild-tragen nicht nur eine fragwürdige Methode zur Eindämmung des Virus. Das Kinnschild ist viel mehr. Es ist eine Ideologie und diese kann man nicht mit Verordnungen verschwinden lassen. Die Kinnschild-Schläferzelle wird unter uns weilen und spätestens am 24. November, wenn das Kitzloch wieder aufmacht, wird es ein böses Erwachen geben.

Das Kinnschild hat aber auch was Gutes. Jetzt, wo es noch erlaubt ist, können wir die Großkotze unter uns immerhin noch leicht erkennen. Man weiß, vor wem man sich fernhalten sollte. Doch dieser Idiotenindikator wird uns bald genommen. Ist aber nicht so schlimm, denn man kann ja immer noch schauen, wie groß das Pferd auf jemandes Polo-Ralph-Lauren-Shirt ist.

"Sie meinen es ja gut", mögen manche über die Kinnschild-Helden unserer Gesellschaft sagen. Ja, das stimmt. Viele Leute meinen es gut. Hilft nur leider nicht. Kinnschild-Träger sind wie die Esoterik-Eltern, die ihren depressiven Kindern einen Traumfänger kaufen. Sieht ja schön aus. Dazu noch ein bisschen Mondwasser und die Welt ist wieder in Ordnung. Nein, es gut zu meinen reicht in diesem Fall leider nicht. Da kann das Lächeln unterm Kinnschild noch so lieb sein.

Was machen wir mit den Kinnschildern, wenn sie endlich weg sind? Unmengen an nutzlosem Plastik kommen auf uns zu. Vielleicht sollten wir vor dem Parlament eine große Statue von Sebastian Kurz , dem größten Kinnschild Träger aller Zeiten, bauen. Mit so einem Mahnmal wüssten wir immer, was wir letzten Sommer getan haben.