Für Kanzler, Gott und Schisaison

22.10.2020

Man ist verstimmt im Heiligen Land. Die Schikanonen sind hochgefahren, die Liftsessel poliert, die Pisten präpariert. Aber die Deutschen wollen einfach nicht kommen. Und das, obwohl man die Wordings für Ischgl so gut einstudiert hat - "alles richtig gemacht, wer hätt' wissen können, dass das ansteckend ist." Dem Westen fehlt also der Piefke. Und wäre das nicht schon genug, biegt die Bundesregierung diese Woche auch noch mit einem neuen Maßnahmenpaket um die Ecke. Nur mehr sechs Personen in privaten Räumen heißt es auf der Pressekonferenz. Naja, ganz klar ist niemandem, wo diese Regelung jetzt genau gelten soll. Aber eines steht für die Tiroler Wirtschaftslobby fest: in Gondeln sicher nicht.

Beobachten konnte man das in den vergangenen Wochen auf den Gletschern. Von Hintertux bis ins Kaunertal wurde bei den Schisaison-Openings nämlich konsequent auf eines vergessen: diese nervige globale Pandemie. Eine gewagte Strategie, hat man doch vor einem halben Jahr mit selbigem Vorgehen noch ganz Europa angesteckt. Aber wer wird denn hier nachtragend sein. Vor allem, wenn Tourismusministerin Köstinger immer und immer wieder an "unsere lieben Nachbarn" appelliert. Die Message ist klar: Alles sicher in den Bergen. Coronafreie Zone. Die Wintersaison findet statt - und wenn die Köstinger die Deutschen eigenhändig auf die Schipisten zerren muss. Also sperrt das Kitzloch wieder auf. Geworben wird mit Apre Ski. Was soll da schon schief gehen.

Die Bundesregierung sieht das offensichtlich ähnlich. Mit ihrem neuen Maßnahmenpaket ist sie erstaunlich still, wenn es um den Wintertourismus geht. Und erstaunlich unfähig darin ein Ischgl 2.0 zu verhindern. Hat sie den Wiener_innen noch die Bundesgärten zugesperrt, wegen zu enger Eingänge, gibt sie jetzt in überfüllten Almhütten quasi eine Runde aus. Im Gegensatz zu Wien haben die Bauern einen ja auch gewählt. Und Probleme entstehen erst, wenn man sie anspricht. Also wird weggesehen. Und wem würden die hohen Fallzahlen schon auffallen. Oder die Polit-Saufgelage nach der Sperrstunde im Innsbrucker Landhaus. Oder der Bezirk Imst. Der darf auf der Corona-Ampel nämlich orange bleiben. Trotz identer Corona-Fälle pro 1.000 Einwohner_innen wie der rote Bezirk Innsbruck-Land. Wegen des Schi-Weltcups in Sölden versteht sich. Ein Geschenk der Politik an die Tiroler Tourismusbranche. Und der Opa auf der Corona-Intensivstation freut sich auch, wenn im Fernseher was Gscheites läuft. Eine klassische Win-Win Situation.

Hart bleibt es in den Bergen aber nach wie vor. Vor allem wenn sich die Deutschen mit dem Urlaub so zieren. So muss man sich jetzt mit Reisewarnungen aus Deutschland und den Niederlanden herumschlagen. Bei den "lieben Nachbarn" hat sich das schlampige Corona-Management der Bundesregierung nämlich schon herumgesprochen.