Emily in Paris - 2020 hat uns schlimmeres beschert

17.11.2020

Paris hat dieses Jahr schon einiges hinter sich. Eine Pandemie, Protestausschreitungen, Terror. Eine amerikanische Netflix-Serie hat da gerade noch gefehlt. Und "Emily in Paris" ist sehr amerikanisch, so amerikanisch, dass es fast schon weh tut. Man setzt auf Stereotype. Franzosen rauchen, schimpfen und haben Affären. In Paris ist man entweder besoffen auf der Arbeit oder schenkt sich dort gegenseitig Unterwäsche. Amerikanerin Emily überfordert das. Sie soll in der französischen Zweigstelle einer Marketingfirma den American Point of View repräsentieren. Der American Point of View ist elf Folgen lang etwas prüde, dauergutgelaunt und sehr schlecht angezogen. Und er spricht kein Französisch. Konflikte vorprogrammiert.

Aber nicht nur in Paris hat es Emily schwer. Auch im Feuilleton ist man gehässig. Plump, einfältig, langweilig. Man liest vom "Sex and the City Abklatsch", obwohl niemand zugeben will, Sex and the City wirklich gesehen zu haben. Im Feuilleton laufen nur Krebs- und Kriegsdramen. Das Urteil für "Emily in Paris" also: vernichtend.

Dennoch klettert die Serie unter die meistgestreamten weltweit. Vielleicht ist "Emily in Paris" nämlich genau das, was Paris nach so einem Jahr braucht, was wir alle brauchen. Ein wenig witzig, ein bisschen dumm, und vor allem nichts Schweres.