Driving Home for Christmas

22.12.2020

Heimfahren vermeiden. Ein Satz, den sich viele ausgezogene junge Menschen die letzten Monate über zum Motto gemacht haben. Die eigene Gesundheit durch mittelstrenges Befolgen der Covid-Maßnahmen gefährden? Lässt sich mit dem Gewissen vereinbaren - so schlimm wird es einen schon nicht erwischen. Aber das Virus zu Mama und Papa nachhause tragen? Puh. Dann lieber den Kilometer weiten Abstand einhalten.

Aber, jetzt steht Weihnachten vor der Tür. Und denkt man die weihnachtlichen Ausnahmeregelungen der Bundesregierung weiter - zehn Menschen aus zehn Haushalten sind okay - dann ist eines klar: An Weihnachten gibt es kein Corona. An Weihnachten strahlt der festliche Segen Gottes um unser aller Herzen und beschützt uns vor jeglichem Bösen. Auch vor dem Virus. Mindestens so effektiv, wie der energetische Schutzring um das Wiener Krankenhaus Nord.

Auch, wenn die Ausnahmeregelungen über die Feiertage das Gewissen oberflächlich beruhigen (à la man darf ja, also wird es okay sein), brodeln unter der gedanklichen Oberfläche vieler junger Menschen die sorgenvollen Gedanken: War man die vergangenen Wochen über verantwortungsbewusst genug? War das letzte Tinder-Date wirklich notwendig? Hätte man sich das Spritzertrinken mit den Studienkolleg*innen nicht doch sparen sollen? Und hätte sich auf die große Shopping-Tour nicht verzichten lassen? Dann könnte man sich jetzt auch einen Coronaschnelltest leisten. Aber die 50 Euro waren in das elterliche Weihnachtsgeschenk sicher besser investiert. Oder?

Fragen über Fragen. Dabei wäre es ganz einfach: Wer heimfährt, lässt sich testen. Wer positiv ist, bleibt den Eltern fern. Möge es auch schmerzhaft sein, Weihnachten alleine zu verbringen. Schmerzhafter, als seine Liebsten mit einem potentiell tödlichen Virus zu infizieren, ist es sicher nicht. Und eines ist gewiss: Das nächste Weihnachtsfest kommt wieder. Ganz sicher. So sicher, wie Lockdown Nummer 3.