Das Clubhouse Impeachment

25.01.2021

Einer der wenigen Vorzüge des Lockdowns ist der Fakt, dass uns die "XY im Zeitalter der Digitalisierung"-Diskussionsrunden erspart bleiben. Kein Journalismus im Zeitalter der Digitalisierung, keine Demokratie im Zeitalter der Digitalisierung. Endlich Ruhe von den all-male-Panels, die über Instagram reden, als wäre die App nicht schon über ein Jahrzehnt alt. Damit ist es jetzt vorbei. Die Audio-Plattform Clubhouse hat alles kaputt gemacht. Seit man es geschafft hat Philipp Amthors Geist in eine App überzuführen, haben jene Menschen, deren Stories man eigentlich gemutet hat, ein anderes Medium gefunden, um sich jeglicher Selbstachtung zu entledigen. Dabei sein darf man nur, wenn man eingeladen wurde. Außerdem braucht man ein IPhone. Diskutieren sollen hier nur die Status-Kids, am besten direkt aus dem Porsche Cayenne vom Papa. Während einer globalen Gesundheitskrise hat man also das geschaffen, was die Oberschicht so sehr vermisst hat. Einen Ort voller Aufmerksamkeit und Exklusivität. Ein Schwarzes Kameel, dass niemals zusperrt. Einen ewigen Forum Alpbach-Track. Eine Profil-Weihnachtsfeier ohne Morgen.

Ja, Clubhaus ist elitär und undurchlässig. Aber vor allem ist Clubhouse traurig. Eine Zufluchtsstätte, um die "personal brand" ein wenig auszubauen, weil der Podcast nicht läuft. Ein digitales Frat House, um die eigene Wichtigkeit zu unterstreichen. Eine App, die sogar Facebook hip und fresh aussehen lässt. Clubhouse enttäuscht ohne Erwartungshaltung. Clubhaus ist das tanzende-Elfen-Video, dass dir dein Onkel zu Weihnachten schickt.