Après-Ski und Après-School

22.12.2020

Schau auf mich, schau auf dich. Schau auf den Schitourismus. Und wenn du eine Schule siehst, dann schau weg. Über Bildung debattiert man bekanntlich nicht in diesem Land. Obwohl Schüler_innen seit über einem halben Jahr im Ausnahmezustand lernen müssen, strahlt die Liftlobby zurzeit von den Zeitungscovern. Wer will schon über die 20 Prozent der Kinder reden, die die Fernlehre nicht erreicht, wenn der Schröcksnadel auch einfach einen Kommentar schreiben kann. Und wen interessieren die Familien, die sich die Ausrüstung für den Online Unterricht nicht leisten können, wenn wieder irgendjemand, der irgendwo einen Lift betreibt, in der ZIB ein Interview gibt. Die U6 ist wie eine große Gondel, hört man dort. Da können Schüler_innen vom Unterhaltungsniveau auch einfach nicht mithalten.

Über Schulen redet man deswegen wohl immer nur, wenn sie irgendjemand zu oder wieder aufsperren will. Nachhaltige Planung? Wie könnte man das verlangen, kümmert sich unsere Bundesregierung doch seit Oktober aufopfernd um den Wintertourismus. Da haben die Schulen einfach keinen Platz auf der to-do-Liste. Für Jänner lässt die Vorbereitung dementsprechend zu wünschen übrig. Genauer gesagt: es gibt keine. Drei Corona Wellen und dreimal nichts draus mitgenommen. Unsere Bundesregierung gleicht von der Ahnungslosigkeit den Schüler_innen, die ohne Internet, ohne Tablet und ohne Aufgabenstellung ein Geschichtsreferat halten sollen. Man wusste, dass es schiefgeht und ist trotzdem enttäuscht.

Also bleiben die Schulen zu. Die Schigebiete dürfen aufsperren. Klingt logisch. Schifahren ist ja ein Menschenrecht. Und während der kleine Timi vorm rauchenden Laptop sitzt und sich selber schreiben beibringt, kann sich der Großverdiener auf der Almhütte einen reindonnern. 50 Meter entfernt versteht sich. Der emanzipatorische Bildungsanspruch? Lange schon Vergangenheit. Mittlerweile muss man sich als Elternteil die Schule nicht nur leisten können, sondern auch selber unterrichten. Der Rest kommt unter die Räder, wie sich das im Neoliberalismus gehört.

Nicht unverständlich, in einer Republik ohne Faible für Bildung. Schifahren, Berge, Alkoholismus. Das ist unser Ding.